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Ich mach mich stark für die Pflege

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14.09.09

„Die kommen mit der Zeit gar nicht hin“, Diakoniestation Bockenem-Hoheneggelsen

 

Bundestagskandidaten Brinkmann und Fell begleiten Pflegerin am 11.9.2009

Jede Bewegung dauert eine gefühlte Ewigkeit. Pflegefachkraft Christiane Hartmann hilft Karl Eilers mit routinierten Handgriffen aus dem Bett. Dann legt sie ihm seine alte Holzprothese an. Seit dem 21. Lebensjahr hat Karl Eilers nur noch ein Bein, eine Kriegsverletzung. Sein ganzes Leben lang konnte er sich selbst versorgen. Doch jetzt, mit 89 Jahren, braucht er Unterstützung. Jeden Tag kommen Mitarbeiterinnen der Diakoniestation Bockenem-Hoheneggelsen und helfen dem Rentner. Viel Zeit haben sie dabei nicht, dem Mann bei seinen täglichen Verrichtungen zu helfen. „Die sagen immer, sie müssen los, kommen mit der Zeit gar nicht hin“, sagt Karl Eilers.

Christiane Hartmann wurde diesmal von den Hildesheimer Bundestagskandidaten Bernhard Brinkmann (SPD) und Bernd Fell (FDP) begleitet. Sie machten sich ein Bild davon, wie eng das Zeitkorsett für die Mitarbeiter der ambulanten Pflege inzwischen ist. Auf Einladung von Eleonore Folz, Leiterin der Diakoniestation Bockenem-Hoheneggelsen, und Kirchenkreis-Superintendent Christian Castel waren sie einen Vormittag auf der Pflegetour mit dabei.

Der Besuch war Teil der landesweiten Kampagne „Ich mach mich stark für die Pflege“ der Diakonie in Niedersachsen. Die Diakonie fordert unter anderem eine Anpassung der Pflegevergütung in Niedersachsen auf das Niveau anderer Länder, die Einführung eines angemessenen Mindestlohns für Pflegepersonal und den Abbau von Bürokratie in der Pflege.

Niedersachsen sei Schlusslicht bei der Refinanzierung der Pflegedienste durch die öffentliche Hand, erläutert Superintendent Christian Castel. Dies bedeute für alle Pflegedienste einen enormen Zwang zur Effizienzsteigerung: „Es ist keine Zeit für ein gutes Wort. Die Rahmenbedingungen geben das nicht mehr her.“

Die Diakoniestation in Bockenem versucht mit einem eigens gegründeten Förderverein gegenzusteuern. Der Verein soll vor allem Leistungen bezahlen, die von der Pflegekasse nicht erstattet werden – etwa Gesprächskreise mit Angehörigen. Doch der Förderverein kann natürlich nicht alles ausgleichen, was zur Finanzierung der Pflege fehlt. Notwendig sei eine stärkere Unterstützung durch die Pflegekassen, mahnt Castel an.

Die Bürokratie im Zusammenhang mit der Pflege macht auch den Angehörigen zu schaffen. Das berichtete Bettina Hagemann den beiden Politikern bei einer weiteren Station ihrer Pflege-Tour: „Ich habe den Eindruck, dass Dinge absichtlich liegen gelassen werden.“ Gemeinsam mit ihrer Schwester kümmert sie sich um die 81-jährige Mutter, die nach einem Schlaganfall pflegebedürftig ist.

Drei Minuten hat Pflegefachkraft Christiane Hartmann Zeit, um ihrer Patientin Elisabeth Hagemann die Kompressionsstrümpfe anzuziehen, einschließlich dem Weg die Treppe hinauf in ihre Wohnung. Hinzu kommt noch die ausführliche Dokumentation, die die Pflegekasse verlangt. Jede Tätigkeit bis hin zur verabreichten Flüssigkeit in Milli-Liitern muss sie in eine Mappe eintragen.

FDP-Politiker Fell zeigte sich ebenso wie Brinkmann beeindruckt von den Erfahrungen auf der Pflegetour: „Für mich ist das ganz wichtig, einen konkreten praktischen Fall gesehen zu haben“, meinte Fell, der sich dafür ausspricht, die gesetzliche Pflegeversicherung noch mehr durch private Vorsorge zu ergänzen. Ganz konkret möchte Bernhard Brinkmann bei der Pflegebürokratie ansetzen. „Die Dokumentationspflicht ist ein Stück weit übertrieben, vornehm ausgedrückt“, meint der SPD-Politiker. Er will daher direkt nach der Bundestagswahl Vertreter von Krankenkassen, Pflegediensten sowie Medizinischem Dienst der Pflegekassen an einen Tisch bitten, um eine Lockerung der Bürokratie-Vorschriften zu erreichen.

SPD-Bundestagsabgeordneter Bernhard Brinkmann (links) und Superintendent Christian Castel begleiteten Pflegefachkraft Christiane Hartmann bei ihrer Tour. Dabei besuchten sie auch die 81-jährige Elisabeth Hagemann, die nach einem Schlaganfall pflegebedürftig ist.

 

Pflegefachkraft Christiane Hagemann cremt Karl Eilers nach dem Waschen ein. Ihr sitzt ständig der enge Zeitplan im Nacken.

 

Eleonore Folz (links), Leiterin der Diakonie-Station Bockenem-Hoheneggelsen, SPD-Bundestagsagbeordneter Bernhard Brinkmann (Zweiter von links), Superintendent Christian Castel und FDP-Bundestagskandidat Bernd Fell (rechts) begleiteten Christiane Hartmann bei ihrer Tour, die sie auch zu dem 89-Jährigen Karl Eilers führte.


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